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Zwei Waldbesitzerinnenaus Leidenschaft

Mit ihren Studienabschlüssen in Forstwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe waren Marlene (links) und Lucia Gruber zwar theoretisch gut gerüstet, die Herausforderungen der Praxis haben sie aber erst im Laufe der Zeit erfahren.

Die beiden jungen Frauen sind sich bewusst, dass Landbesitz eine große Verantwortung mit sich bringt und möchten dementsprechend handeln.„Unsere Gesellschaft befindet sich in einer schwierigen Lage: Wir brauchen Holz als nachhaltige, nachwachsende Ressource, genauso wie wir unsere Wälder als ökologische Lebensgrundlage benötigen. Mit diesem Wissen versuchen wir unseren Wald nach bestem Wissen und Gewissen zu bewirtschaften.“

Bereits seit einiger Zeit sind die „Türen“ zu ihrem Wald für Besucher geöffnet, um Menschen einzuladen, sich im Wald aufzuhalten und etwas über dieses faszinierende Ökosystem zu lernen. Die Schwestern möchten Botschafterinnen für den Wald und seine wichtigen Funktionen für Mensch und Natur sein. Deshalb haben sie sich auch für den DEUTSCHEN WALDPREIS beworben.

Was sind die Besonderheiten in diesem Wald?

Energieholz, das bei den Durchforstungen anfällt, wird selber verarbeitet und vermarktet.

Obwohl mit dem Forstbetrieb ein nennenswerter Teil der Einnahmen erwirtschaftet wird, sieht man in ihrem Wald, wie viele Funktionen er auf einmal erfüllen kann:

  • Es werden kleinere, aber häufigere Eingriffe durchgeführt, um keine zu großen Störungen zu erzeugen.
  • Es bleibt viel Totholz im Wald, um Humus aufzubauen, Lebensräume zu schaffen und Nährstoffe im Wald zu belassen. Gleichzeitig sieht der Wald dann „unordentlicher“ oder wilder aus.
  • Der Vater, Ruppert Gruber, hat vor zwölf Jahren eine Eichensaat angelegt , um der Natur etwas zurückzugeben.
  • Die Rückegassen haben bewusst Kurven, damit man immer das Gefühl hat, man sei tief im Wald.
  • Es gibt ein „Grünes Klassenzimmer“, das u. a. von der örtlichen Grundschule genutzt wird, und einen Klimapfad mit Informationen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Mit Begeisterung am Werk

Die Schwestern lieben die gestalterische Freiheit, die man als Waldbesitzerin hat. Immer wieder sind sie von der Wuchskraft des Waldes und seiner Dynamik angetan, obwohl der Wald so beständig scheint. Die Mischung aus Ehrfurcht und die Möglichkeit, gestalten zu können und die wichtige Ressource Holz bereitzustellen, begeistert die beiden Frauen jedoch am meisten.

Zweites Standbein

Neben der Waldbewirtschaftung haben sich die beiden noch ein weiteres Standbein aufgebaut – mit Waldführungen und Besuchergruppen auf dem Hof und im direkt angrenzenden Wald. Dabei sei es das Schönste, sich mit den Teilnehmern über den Wald auszutauschen oder zu sehen, welchen Einfluss der Aufenthalt im Wald auf Menschen haben kann.

Jadgstrategie

Nachdem eines der Ziele der Waldbewirtschaftung der Waldumbau ist, spielt die Jagd eine große Rolle im Betrieb der Gruber-Schwestern. Die Betriebsfläche beträgt gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Fläche ca. 92 ha. 88 ha davon sind zusammenhängend. Dadurch erfüllen sie die Flächenanforderungen (in Bayern) für eine Eigenjagd. Mit einem Abschuss von 14 Rehen pro 100 ha und Jahr liegt das Revier weit über dem Durchschnitt von fünf Rehen pro 100 ha in der Hegegemeinschaft.

Mit dem erhöhten Abschuss soll der Wildbestand auf ein ökologisch verträgliches Niveau gebracht werden, wobei die direkte Wirkung aufgrund der geringen Reviergröße eher niedrig ist, da „freie“ Plätze vom Rehwild sofort wieder aufgefüllt werden. Wichtiger ist daher, innerhalb der Hegegemeinschaft mit gutem Beispiel voranzugehen und zu zeigen, dass der Wildbestand auch bei einem vermeintlich hohen Abschuss nicht gefährdet ist.

Blick nach vorn

Beim Bau des neuen Veranstaltungsgebäudes wurde eigenes Holz verwendet.

Die beiden Schwestern wünschen sich in der aktuell unsicheren Lage aufgrund des Klimawandels vordringlich, ihren Wald für die nächsten Generationen zu erhalten. „Wir wollen unseren Wald umbauen, wie man so schön sagt. Dabei ist uns aber immer bewusst, dass wir mit jeder Pflanzung weit in die Zukunft entscheiden, die Hoffnung ist natürlich, dass wir richtige Entscheidungen treffen.“ Marlene und Lucia Gruber hoffen auch, dass sie Menschen, die zu ihnen in den Wald kommen, aufmerksam machen und ihnen die Wertschätzung für den Wald als Ökosystem, aber auch als Ressource näherbringen können.

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