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Wie gehen wir in Zukunft mit den uns anvertrauten Wäldern um?

In und mit der Natur arbeiten zu können, ist für Mathias Graf Schwerin ein großes Privileg. Fast immer mit dabei ist seine Dachsbracke Hummel.

Dem Wald in Deutschland geht es nicht gut. Das Interesse der Öffentlichkeit am Wald ist in den letzten Jahren, wohl auch wegen der sichtbaren Schäden, gewachsen. In dem Brandenburger Betrieb ist es gelungen, trotz schwieriger Bedingungen, mit naturgemäßer Waldwirtschaft den Zustand des Waldes zu stabilisieren und so zu entwickeln, dass sowohl ökologische als auch ökonomische Ziele erreicht werden. Damit möchte Graf Schwerin allen Interessierten Mut machen, dass es Möglichkeiten gibt, Wald behutsam, mit Geduld und klaren Zielen klimaresilient zu machen.

Ideologiefreie Betrachtung

Ein wichtiger Faktor dabei ist die Jagd. Waldbauliche Jagd kann eine bedeutende Unterstützung für naturgemäße Waldentwicklung leisten. In vielen Beiträgen über den Wald der Zukunft werden die Themen Wildeinfluss und Jagd bis heute schlicht nicht erwähnt. Für die modellhafte Betrachtung von Waldentwicklung mag das sinnvoll sein. In der Realität aber ist Waldbau ohne Berücksichtigung des Faktors Wildeinfluss nicht möglich.

Foto: AGDW/Catberry Studios

Auch hier glaubt Graf Schwerin, in seinem Betrieb nachweisen zu können, dass eine moderne und auf gesellschaftlichen Dialog ausgerichtete Jagd ein unverzichtbarer Teil der Waldentwicklung ist. Alle Beteiligten sollten mehr Mut haben, dieses Thema ideologiefrei und faktenbasiert in ihre Überlegungen und Planungen zur Entwicklung klimaresilienter Wälder einzubeziehen. Dazu möchte Graf Schwerin mit meiner Bewerbung einen Anstoß geben.

Örtliche Bedingungen

Der Forstbetrieb liegt auf 60 bis 120 m ü. N.N. Als natürliche Waldgesellschaft kommt überwiegend der Traubeneichen-Linden-Hainbuchen-Wald (Duftprimel-Traubeneichen-Lindenwald) vor, ausgenommen auf den wenigen organischen Nassstandorten mit Erlen-, Erlen-Eschen- und Erlen-Birkenwaldausprägungen.

Das Großklima ist bereits kontinental beeinflusst (Südmärkisches Klima), allerdings im Übergangsbereich zum schwächer maritim beeinflussten Neubrandenburger Klima. Insbesondere die ökoklimatische Wasserbilanz ist nicht ausgeglichen. Um diese Nachteile in etwa auszugleichen, hat die waldbauliche Behandlung der Standorte darauf Rücksicht zu nehmen (Anstreben einer Dauerwaldbestockung), erklärt Graf Schwerin.

Im Revier herrschen mäßig nährstoffhaltige (ca. 60 %) und kräftige (ca. 40 %) mittelfrische Standorte vor. Die landschaftliche Prägung als Endmoränengebiet bietet abwechslungsreiche Eindrücke und unterschiedliche Standortbedingungen auf engem Raum. „Das macht die waldbauliche Arbeit anspruchsvoll und reizvoll zugleich“sagt er. Ein Feuchtbiotop im Süden des Betriebs stellt eine weitere Besonderheit dar. Die vorhandene relative Vielfalt von Baumarten im Oberstand wird durch die reichhaltige Verjüngung, meist Naturverjüngung, noch unterstützt.

Mathias Graf von Schwerin (links) mit Forstunternehmer Hendrik Settekorn, der 2018 gemeinsam mit seiner Mutter Sylvia den DEUTSCHEN WALDPREIS in der Kategorie Forstunternehmer des Jahres gewinnen konnte

Mit der Natur arbeiten

In und mit der Natur arbeiten zu können, ist für den Waldbesitzer ein großes Privileg. Dabei auch für kommende Generationen etwas werthaltiges, nämlich klimaresilienten und ertragsfähigen Wald, gestalten zu können, macht ihn dankbar und demütig. Die eigene Arbeitszeit nach der Natur und nicht nach einer Stechuhr zu richten, sei sehr zufriedenstellend.

Wünsche

Während die Bundesregierung dabei sei, für den so genannten Klimaschutz mehrere Industriezweige „durch den Wolf zu drehen“, ohne wirklich zu wissen, welche Wirkung das auf Klima und Volkswirtschaft habe, sollte sie nach Ansicht Graf Schwerins erkennen, welches erhebliche CO2-Bindungspotenzial in gesunden und stabilen Wäldern stecke und dieses Potenzial endlich nutzen. „Nicht nur das Bundeswaldgesetz und das Bundesjagdgesetz müssen daher dringend an die aktuelle Situation des Waldes angepasst werden.“ Die Waldbesitzer seien bisher leider nicht durchsetzungsstark genug gewesen, um ihre positiven und wissenschaftlich vielfach fundierten Botschaften hinsichtlich der CO2-Bindung von Wald politisch wirksam zu platzieren.

Auch um da besser zu werden, hat sich Graf Schwerin mit seinem Team Hanna von Versen, Thomas Schulz und Susanne Wirtz, für den Deutschen Waldpreis beworben. Er ist überzeugt davon, in seinem Betrieb beispielhaft zeigen zu können, dass Wald in Deutschland und Europa viel mehr für den Schutz vor den Folgen des Klimawandels tun kann, als bisher allgemein bekannt ist. Diese Anerkennung habe der Wald und hätten die Waldbesitzer verdient. Daher sollte der Wald als CO2-Senke auch in den Handel mit CO2-Zertifikaten miteinbezogen werden und davon profitieren.

Ohne Teamarbeit geht es nicht. Förster Thomas Schulz und Graf Schwerin

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